Interview mit
Francisco Brotóns

Francisco Brotons Beneyto Die Kampagne für die Befreiung von Francisco Brotons Beneyto wird fortgesetzt

Freiheit für Francisco Brotons !

Gefangener aus der PCE(r) seit 23 Jahren im Knast

Das folgende Interview mit Brotóns (Mai 2000) wurde von der Unterstützungsplattform aus Barcelona schriftlich geführt.

Kannst du uns zuerst über deinen politischen Werdegang bis zum Zeitpunkt deiner Verhaftung berichten?

Ich habe mich immer als Kommunist gefühlt. Ich glaube, dass die Bedingungen, unter denen meine Kindheit und Jugend verlaufen sind, es mir leicht gemacht haben, die Gedanken und Ziele aufzunehmen, die noch heute meine Schritte bestimmen. Auf der einen Seite sah ich den erschöpfenden Arbeitsalltag meiner Eltern, die täglich 10-12 Stunden für einen Hungerlohn malochten, mit dem die Familie auskommen und der Schulbesuch der Kinder ermöglicht werden mußte. Und andererseits sah ich, dass meine Eltern kein Einzelfall waren; alle BewohnerInnen unseres ArbeiterInnenviertels erlitten dieselbe Situation...

Später, als ich älter war, stellte ich fest, dass das ökonomische Elend nicht die Hauptstrafe für die ArbeiterInnenfamilien ist, sondern dass es weitaus mehr zu erleiden gab: die Unterdrückung, die Ignoranz, das Fehlen von Freiheiten. All das breitete sich über denjenigen aus, die sich durch ihrer Hände Arbeit den Lebensunterhalt verdienten, während die Mächtigen, die da oben, im Geld schwammen...

Als ich meine Eltern und andere Familien vom Krieg und der darauf folgenden brutalen Repression berichten hörte, begann ich zu begreifen, dass diese Situation System hatte.. Ich begriff auch, dass all diese Leiden nicht durch übernatürliche Kräfte verursacht wurden, sondern das Produkt einer bestimmten Gesellschaftsform, des Kapitalismus sind, der diese Lebensbedingungen nicht nur schafft, sondern sie für sein Fortbestehen benötigt. Damit es Reiche gibt, muss es Arme geben; die Existenz einer Handvoll Privilegierter, die alle Annehmlichkeiten und Freiheiten genießen, hängt mit dem Vorhandensein Tausender von ArbeiterInnen zusammen, die den Reichtum produzieren und denen diese verwehrt werden. Ich verstand, dass die Mächtigen zur Aufrechterhaltung dieser Situation nicht auf die Repression verzichten können; sie brauchen ihre Armee, ihre Polizei, ihre Pfaffen, ihre Richter, ihre Sprachrohre in der korrumpierten Presse, die Gefängnisse,... letztendlich, ihren Staat.

Aufgrund dieser Erkenntnisse entschied ich mich, mich mit Leuten zusammen zu tun, die gegen diesen Zustand kämpften. Daher trat ich schon in jungen Jahren verschiedenen linken Organisationen bei. Die Kämpfe richteten sich nicht nur gegen den Staat als direkten Verursacher der Unterdrückung, sondern auch gegen seine Verbündeten im Kreis der ArbeiterInnenklasse, gegen jede Art von ReformistInnen, gegen Leute, die sich mit dem Kapitalismus versöhnt oder sich an ihn verkauft hatten. 1973 trat ich der Organisation der Marxistischen/ Leninisten Spaniens (OMLE) bei, die sich vorgenommen hatte, die Kommunistische Partei wiederaufzubauen, welche die Carrillisten zerstört hatten. Seit 1975, als diese Etappe mit dem Kongress zur Parteineugründung beendet wurde, bin ich Mitglied der PCE(r).

Im Jahre 1976 ging ich zusammen mit anderen KommunistInnen und AntifaschistInnen in die GRAPO, um die Lücken zu schließen, die die Repression in dieser guerilla hinterlassen hatte und um den Kampf bewaffnet fortzusetzen.

Du kamst in den Knast zur Zeit des sogenannten Übergangs von der Diktatur zur Demokratie, der transición. Wie war damals die Situation, einerseits in den Knästen, andererseits innerhalb der Gesellschaft? Inwiefern veränderten sich die Haftbedingungen mit der Verlegung nach Herrera de la Mancha ?

Das ist richtig ausgedrückt, von der sogenannten Übergangszeit zu sprechen. In Wahrheit gab es keine wirkliche Veränderung, es änderte sich lediglich die Fassade... um dieselbe Ausbeutung und Unterdrückung aufrechtzuerhalten, gegen die wir seit vielen Jahren kämpften. Die Vorgeschichte dieses Manövers des faschistischen Regimes war der Anstieg der Kämpfe der ArbeiterInnen und Volkssektoren im gesamten Staat. Diese Mobilisierungen führten letztendlich zu einer Reihe von Verbesserungen, die wir den Kapitalisten mit aller Gewalt entreißen mußten: das Streikrecht, höhere Löhne, das Recht auf Betriebs- und Belegschaftsversammlung,... All das bedrohte ernsthaft die weitere Existenz des Regimes, so dass sich die immerwährenden Faschisten gezwungen sahen, sich an die Reformisten der Partei von Carrillo zu wenden, sowie mit der wirtschaftlichen Hilfe der deutschen Oligarchie aus dem Nichts die PSOE zu schaffen. Sie legalisierten diese und lenkten sie gegen die ArbeiterInnenbewegung, um diese zu unterwerfen und die unter großen Anstrengungen erkämpften Errungenschaften dem Erdboden gleich zu machen.

Das ist das Wesen der sog. transición. Es gab Leute, die die bittere Pille schluckten, Leute, die nach so vielen Jahren des offenen Faschismus in der neuen Situation eine Möglichkeit sehen wollten, ihre Lage zu verbessern.

Aber es gab auch Leute, die weiterhin Widerstand leisteten, die auf die Straße gingen um den Kampf weiterzuführen. Die Polizei, die guardia civil und die Armee, die als Demokraten dargestellt wurden, machten weiterhin nichts anderes als das einzige, wozu sie in der Lage waren und wofür sie bezahlt werden: Töten, Terror im Volk verbreiten und jeden platt machen, der sich auflehnt. Während dieser florierenden Jahre des Übergangs wurden von Jugendlichen, ArbeiterInnen, AntifaschistInnen, KommunistInnen... mit demokratischen Kugeln niedergeschossen. In dieser Zeit fand eine Umstrukturierung der Wirtschaft statt und Tausende von ArbeiterInnen wurden aus ihren Firmen rausgeschmissen, während sich die Knäste mit Leuten füllten, deren einziges Verbrechen darin bestand, ihrer Klasse treu geblieben zu sein und für eine Gesellschaft ohne Ausbeuter und Ausgebeutete gekämpft zu haben... In den Knästen vollzog sich ein Prozeß der Verschärfung der alltäglichen Lebensbedingungen sowie der Steigerung jeder Art von Repression. Eine Aufstandswelle breitete sich 1977 im gesamten Land aus.

Viele Gefangene wurden sich ihrer Situation bewußt und entschieden sich, für ihre Rechte zu kämpfen. Die politischen Gefangenen, die den größten Teil der Knastkämpfe der vorigen Etappe angeführt hatten, intensivierten ihre Kämpfe.

Die Radikalisierung breitete sich auch unter den sozialen Gefangenen aus: denken wir an die Gründung von COPEL und die wichtige Rolle, die sie spielte, um diese Bewegung voranzubringen. Auf den Widerstand hin

verschärfte sich schnell die Repression. Der oberste Knastwärter dieser Jahre, Galavís, kündigte eines Tages an, dass auch er es verstünde, Betonbunker für Gefangene zu bauen, und er hielt sein Versprechen: 1979 wurde der erste von einer ganzen Reihe von Vernichtungsknästen eingeweiht, Herrera de la Mancha. Mit ihnen sollte der Widerstand in den Gefängnissen ein für alle Mal ausgemerzt werden. Die Gefangenen dort waren einem brutalen Regime unterworfen, mit ständigen Schlägen, langandauernder Isolationshaft und ohne medizinische Betreuung... All das war kaltblütiges Kalkül, um mit ihrem Leben Schluß zu machen...

Ja, Herrera ist nach wie vor ein Symbol dieser transición. Es steht einerseits dafür, diejenigen, die sich auflehnen, fertig zu machen, sie ihrer Würde zu berauben und mittels roher Gewalt und psychologischen Drucks jedes Streben nach Freiheit und jeden Wunsch nach Gerechtigkeit auszulöschen... Andererseits dafür, jene zu belohnen, die aufgeben, die sich für ein paar Brotkrümel unterwerfen, um glauben zu machen, dass die Herrschenden Demokraten wären und dass der Kampf zu nichts als Leid führe.

Der Schachzug ging natürlich nicht auf. Sie gaben uns damit nur neue Argumente für die Gerechtigkeit und die Notwendigkeit unseres Kampfes. Man muß sich nur einmal die lange Geschichte von Streiks, Aufständen, Auseinandersetzungen und Anzeigen während all dieser Jahre in den Knästen betrachten.

Die Kämpfe gegen die Repression in den Gefängnissen haben eine lange und harte Tradition. Kannst du uns in Kurzform über die Hauptaktivitäten des Kampfes für die Wiederzusammenlegung und Freiheilassung der Gefangenen berichten, insbesondere über die Hungerstreiks von 1981 und 1989-91?

Ja es gibt eine lange Geschichte des Widerstandes in den Knästen. In Wahrheit kann es auch kaum anders sein, die Gefängnisse sind schließlich ein Spiegelbild der Gesellschaft, zu sie gehören. Wo es Repression gibt, gibt es Widerstand. Unsere Völker haben ein lange Tradition des Kampfes und die Barbareien, die täglich von den Mächtigen begangen werden, sind nie unbeantwortet geblieben.

In den 22 Jahren in denen ich Gefangener bin habe ich an mehr als 20 Hungerstreiks und einer Vielzahl von Protestaktionen teilgenommen. Aber es wäre falsch zu glauben, dass wir revolutionären Gefangenen uns nur gegen die direkt erlittene Aggression mobilisierten. D.h., unser Kampf ist nicht einfach nur auf die Eroberung würdiger Lebensbedingungen oder gegen die uns treffende Repression ausgerichtet. Von all diesen Streiks und Kämpfen, von denen ich dir berichtete, waren viele in Solidarität mit Leuten, die draußen für ihre Rechte gekämpft haben, oder in Unterstützung der Kämpfe anderer Gefangener, oder um den repressiven und ausbeuterischen Charakter des Regimes anzuklagen. Unsere politische Verpflichtung hört nicht auf und wird nicht geringer, wenn wir einfahren. Auch im Knast fühlen wir uns als Teil unserer Klasse und wir denken, dass wir an einer weiteren offenen Front gegen den gemeinsamen Feind kämpfen.

Von daher war ein großer Teil unserer Anstrengungen immer darauf ausgerichtet, jede Art von Aktivitäten zu entwickeln, um an den Kämpfen draußen teilzunehmen. Ich beziehe mich darauf, dass wir in den Jahren, in denen wir es geschafft hatten, uns in den Gefängnissen als Kollektiv zu organisieren, wir eine intensive Arbeit entwickelten. Unsere Aktivitäten bestanden darin, Artikel zu veröffentlichen, handwerkliche Erzeugnisse herzustellen und Beziehungen zu Hundertenn von Personen und Gruppen im Staat und aus anderen Ländern aufzunehmen, um Erfahrungen auszutauschen und von den unterschiedlichsten Menschen zu lernen. Diese Situation dauerte bis 1979, als die damalige Regierung mit der Zerstreuungspolitik gegen die politischen Gefangenen begann. Die Flucht von fünf Genossen aus dem Knast von Zamora wurde als Anlaß dafür genommen: es war ihre Rache. Aber die Verlegungen hatten sie schon längst geplant und vorbereitet. Es ging in erster Linie darum, die Aktivitäten zu unterbinden, die wir als revolutionäre Militante im Knast entwickelt hatten. Ich erzähle dies, weil es sonst unmöglich ist, die Dimension unserer harten Streiks für die Wiederzusammenlegung zu begreifen, zu denen wir uns ab diesem Zeitpunkt gezwungen sahen. Ebensowenig würde klar werden, dass für es für die Faschisten eine Prinzipienfrage war, nicht nachzugeben. All diese Kämpfe für unsere Wiederzusammenlegung waren und sind in erster Linie als Forderungen aus unserem Verständnis als kommunistische Militante heraus zu verstehen, als ein Aspekt unserer Beteiligung auf dem Weg zur Zerstörung des kapitalistischen Staates und am Fortschreiten des gesamten Volkes hin zu einer gerechteren Gesellschaft.

Wie war die Situation in den Knästen während des Hungerstreiks? Welche Art von Unterstützung habt ihr erhalten und durch wen?

Als wir uns entschieden hatten, dass es jetzt notwendig war, aufs Ganze zu gehen, um einen Anstoß für unsere Wiederzusammenlegung zu geben, waren wir uns darüber bewußt, dass es ein ganz besonders schwerer Streik werden würde.

Wir selbst hatten ganz klar: Wir mußten alles geben, die geplante Aktion würde die bisher schwierigste und risikoreichste sein. Und noch etwas hatten wir klar: Allein durch unseren Kampf in den Knästen würden wir nicht viel erreichen. Ohne die Leute draußen, ohne eine Bewegung, die den Streik unterstützte, ohne eine starke Protestkampagne, die unsere Situation öffentlich anprangerte und weite Kreise der Gesellschaft, die gegen den Faschismus stehen, mobilisierte, würde unsere Aktion eine vergebene Anstrengung sein: entschlossen und, wenn man so will, mutig, aber mit geringer Chance auf einen Sieg. Wir rechneten damit, dass sich diese Aktivitäten draußen nach und nach entwickeln würden, und letztendlich bestätigte sich dies.

Es gab nicht nur die kühnen Aktionen der GRAPO, die den HS unterstützen, sondern verschiedene Organisationen, in erster Linie unsere Partei, entwickelten eine starke Kampagne. Von allen Seiten bekamen wir Solidaritätsbekundungen. Im Baskenland beteiligten sich die Gestoras pro Amnistía und andere Organisationen der MLNV aktiv an der Kampagne. Durch die kontinuierliche Informations- und Aufklärungsarbeit von AFAPP im gesamten spanischen Staat hatten die verschiedensten Sektoren Kenntnis über unseren Kampf. In der Schweiz, Frankreich, Deutschland, Belgien und in einigen Ländern Amerikas wurden Demos vor den spanischen Botschaften durchgeführt und manchmal konnten diese sogar für einige Stunden besetzt werden. Die spanische Regierung wurde dabei aufgefordert, unsere Forderungen zu erfüllen. In Deutschland gingen die Gefangenen aus der RAF in einen Kettenhungerstreik, um uns zu unterstützen. Auf internationaler Ebene gab es antifaschistische, anarchistische und kommunistische Gruppen, Solidaritätsorganisationen und politische Gruppen, Einzelpersonen und ArbeiterInnen, die uns ihre Solidarität gaben.

Der Hungerstreik, den ihr 1989 begonnen hattet, dauerte 435 Tage, mehr als eineinhalb Jahre. Warum dauerte dieser Kampf solange und wie war der Gesundheitszustand der Gefangenen nach diesem langen, harten Streik?

Wie ich schon berichtet habe, so sahen wir die Härte und auch eine gewisse Dauer des Streiks voraus. Aber wir konnten uns nicht vorstellen, dass wir uns gezwungen sehen würden, 435 Tage zu streiken und dabei zu erleben, wie uns nach und nach das Leben aus den Händen glitt, der Folter der Schließer unterworfen zu sein und der Polizei, die uns in den Krankenhäusern bewachte, in die wir gebracht wurden. Aber so war es letztendlich. Die Regierung versuchte, uns auf tausend verschiede Arten und Weisen zur Aufgabe zu zwingen, sie verbreitete falsche Nachrichten, unterwarf uns aller Arten von Quälereien und Aggressionen und lockten jeden Einzelnen mit Versprechungen bezüglich ihrer Großzügigkeit, damit, uns das Knastleben zu versüßen, wenn wir den Streik aufgäben. Sie versuchten, uns zu spalten, aber es gelang ihnen nicht. Da unser Streik sie empfindlich traf, weil sie von allen Seiten Proteste bekamen und von Mal zu Mal ihr faschistischer und grausamer Charakter offensichtlicher wurde, gingen sie schließlich zur Zwangsernährung über. Da sie unseren Widerstand nicht brechen konnten, wollten sie uns physisch zerstören: am Ende sollte von uns nur noch ein Bündel Knochen übrigbleiben, unsere lebenswichtigen Organe sollten derart zerstört sein, dass wir unser Leben lang irreversiblen Schäden davontrügen. Über Wochen hinweg fesselten sie uns ans Bett, sie injizierten uns ungeachtet unseres Widerstandes Flüssignahrung um uns später, als wir nicht mehr Gefahr liefen, im nächsten Moment zu sterben, die Sonden zu entfernen und uns für eine Zeitlang loszubinden und um nach ein paar Wochen wieder mit der gleichen Prozedur die Zwangsernährung fortzufahren. So ging es schließlich bis zum Ende des Streiks.

Welche Bilanz zieht ihr aus dem Hungerstreik?

Es ist offensichtlich, dass wir die Wiederzusammenlegung nicht erreicht haben, trotz unserer Anstrengung und der gesundheitlichen Schäden, die viele von uns davongetragen haben, trotz des Todes von Sevillano und trotz der Breite, welche die Kampagne für uns sowohl hier als auch im Ausland erreicht hat. Am Ende mußten wir den Kampf aussetzen. Aber die Schlußfolgerung, die man aus dieser Erfahrung ziehen kann ist nicht, dass wir eine Niederlage erlitten hätten. Die Schlußfolgerung ist, dass es bei einem derart brutalen Feind unerläßlich ist, dass die Bewegung, die sich ihm gegenüberstellt, eine noch größere Verbreiterung und Organisierung erreicht. Die Schlußfolgerung ist, dass nur auf dem Weg zur Zerstörung des faschistischen Staates der Monopole es möglich ist, sie zeitweise zurückzudrängen und ihnen Verbesserungen abzuringen.

Doch trotz alledem haben wir kurzfristig einige Ziele erreicht, die für uns von größter Bedeutung sind. Auf der einen Seite konnten wir die Welle der Repression gegen die Gefangenen stoppen. In der Tat ließen sie uns für einige Zeit etwas mehr in Ruhe, angesichts der Gefahr, dass wir den Streik wieder aufnehmen würden.

Auf der anderen Seite wurde während der 435 Tage eine Protestkampagne aufrechterhalten, wir haben von sehr vielen Leuten Unterstützung bekommen, die wir vorher nicht kannten. Seitdem haben sich viele Verbindungen und gegenseitiges Vertrauen entwickelt und unsere Zusammenarbeit hat sich auf viele Bereiche ausgedehnt. Wir haben zwar nicht die Wiederzusammenlegung erreicht, dafür aber einen wichtigen politischen Sieg errungen gegenüber der Reaktion, ihr wahrer faschistischer Charakter wurde bewiesen und es wurde deutlich, dass es möglich ist, trotz der absoluten Brutalität, zu der sie fähig sind, Front gegen sie zu machen; dass Widerstand und das Voranschreiten in der Organisierung der Kräfte des Volkes unter diesen Bedingungen möglich sind.

Francisco Brotons Beneyto In Bezug auf den Kampf gegen die repressiven Knastbedingungen haben die Gefangenen aus GRAPO und PCE(r) in Protest- und Widerstandsaktionen den bisherigen Bezugsrahmen erweitert. Ich beziehe mich auf die Aufnahme der Forderung gegen die FIES-Bedingungen oder für der Verlegung der baskischen Gefangenen nach Euskal Herria. Bedeutet das für euch eine neue Qualität der Kämpfe? Auf Basis welcher Analyse habt ihr diese Forderungen in eure Kämpfe mit aufgenommen bzw. dazu gemeinsame Aktionen mit den baskischen und FIES-Gefangenen entwickelt?

Ich glaube, zum Teil habe ich diese Frage schon behandelt. Unsere Aktivität im Knast unterscheidet sich in bezug auf die Breite der Ziele nicht groß von der, die wir draußen entwickelt haben. Deswegen haben wir uns im Laufe dieser Jahre bei zahlreichen Gelegenheiten an der Verteidigung und Unterstützung anderer Kollektive beteiligt, die ebenfalls gegen den spanischen Faschismus kämpfen. Das ist so im Fall unserer Solidarität mit den baskischen GenossInnen, die für ihr Recht auf Selbstbestimmung und Unabhängigkeit kämpfen, sowie es auch für den Fall der bewußten, sozialen Gefangenen zutrifft, die sich täglich gegen die Knastrepression stellen und ihr Recht fordern, wie Menschen behandelt zu werden, und die im Knast ihre Würde behalten. Zum Beispiel, bereits während der Knastaufstände im Sommer 1977 haben unsere gefangenen Genossen in erster Reihe zusammen mit den Mitgliedern der ehemaligen COPEL gekämpft. Später, als wir auf verschiedene Knäste verteilt waren, lernten wir einige der kämpferischsten sozialen Gefangenen besser kennen und GenossInnen von uns haben sich an ihren Kämpfen beteiligt (z.B. in Badajoz, Jaén, Meco,...). Die Forderung nach Abschaffung der FIES-Bedingungen ist nichts neues in Bezug auf unsere vorherige Haltung, sondern ihre logische Fortführung. Abgesehen davon werden wir politischen Gefangenen natürlich als FIES-Gefangene eingestuft und die spezielle Brutalität und Härte, die uns deshalb treffen, kennt ihr ja.

Der Grund für unsere Haltung diesbezüglich ist, dass uns das, was mit jemandem geschieht, der/die gegen den gemeinsamen Feind kämpft, vertraut ist. Unsere Überzeugung, dass angesichts der wichtigen Ziele, die sich unser Volk gesetzt hat: den Faschismus zu zerstören und auf dem Weg zu einer freien, gerechten und solidarischen Gesellschaft voranzukommen, dass jeder Schritt auf diesem Weg nur über die Einheit der Kräfte derer laufen kann, die die gleichen Ziele verbinden. Kräfte zu bündeln, Widerstand zu verbreitern, ihn auf ein höheres Niveau der Organisierung zu bringen das ist es, was wir anstreben, und ich bin sicher, dass wir auf diesem Weg weiterhin viele Leute treffen werden, die dazu bereit sind.