Schilderung von Folter durch die Guardia Civil

Internationale Rote Hilfe

Ich heiße Jorge García Vidal und bin Kämpfer der Antifaschistischen Widerstandsgruppen Erster Oktober (GRAPO).

Ich wurde am 6. Juni 2007 um 18 Uhr in der Biblioteca Pública von Can Fabra, im Stadtteil Sant Andreu in Barcelona verhaftet. Zu diesem Zeitpunkt saß ich lesend an einem Tisch umrundet von vielen Studenten, die ihre Juni-Prüfungen vorbereiteten. Ich hörte schnelle Schritte und sah drei Männer in Zivil auf mich zusteuern, die ganz angespannt waren. Sie fielen über mich her, andere hinter mir warfen mich zu Boden und schrieen mich an, dass ich verhaftet sei. Ich rief meinen Namen, dass ich Guerillero der GRAPO bin und dass ich verschleppt werde, mit dem Ziel, die Leute auf meine Verhaftung aufmerksam zu machen. Angesichts meiner Reaktion, werfen sich mehr Guardias auf mich, fesseln mich sehr fest und befehlen mir, ruhig zu sein. Ich fahre fort, die Leute auf meine Verhaftung aufmerksam zu machen und dann, im Beisein mehrerer Studenten, halten sie mir eine Pistole an die Schläfe und befehlen mir, sei still oder wir verpassen dir eine Kugel. Ich antworte dem Schützen mit weiteren Rufen über meine Militanz. Dann prasseln Tritte auf mich nieder, ins Gesicht, und ich fange an aus dem Mund und der Nase ununterbrochen zu bluten. Sie verdecken mir das Gesicht mit einem Hemd, schleifen mich an den Haaren und versuchen, mich aus dem Saal zu ziehen. Ich fahre fort zu rufen, dass sie mir die Nase zerschlagen haben und dass sie mich foltern werden. Was ich beobachten konnte, ist, dass sie sich sofort der Aufgabe widmeten, das Blut vom Boden zu wischen, und sich anschrieen, dass keine Spuren bleiben dürfen.

Die jungen Leute in der Bibliothek reagierten, und meine Entführer mussten sich als Guardias Civiles identifizieren und schreien, dass sie einen Terroristen festgenommen haben. Wie die Situation im Saal war, rufe ich, dass sie die Terroristen sind, und angesichts meiner erneuten Rufe prügeln sie mich aus dem Raum. Sie zerren mich in einen Fahrstuhl, und als sich die Tür schließt, fangen sie an, wild auf mich einzuschlagen und drohen mir, dass ich aufhören solle, sie zu denunzieren. Da der Fahrstuhl außen angebracht ist und verglast, höre ich sie rufen, dass die Leute sie von außen sehen können. So ziehen sie mich aus dem Fahrstuhl und zerren mich die Treppen hinunter. Als wir den Ausgang erreichen, höre ich Stimmen von Leuten und beginne wieder auf meine Festnahme aufmerksam zu machen.

Unter Schlägen zerren sie mich bis zu einem Wagen, der sofort anfährt. Sie treten mich in die Hoden und verursachen mir eine Menge Schmerzen und Hämatome an den Innenseiten der Oberschenkel, die bis heute immer mehr werden. Sie schlagen mir auf den Kopf, sie schlagen mir mit der Faust auf die Ohren, sie drücken mir die Finger in die Augen und würgen mich, bis ich Erstickungsanfällen bekomme und starke Schmerzen im Hals. Von Zeit zu Zeit ziehen sie mir eine Plastiktüte über den Kopf. Sie beleidigen mich und schreien mir ins Ohr, dass sie mir eine Kugel verpassen werden. Sie fragen mich hunderte Male nach meiner Waffe und wo meine Genossen sind. Ich öffne den Mund nur, um Luft zu holen und dem Angriff zu widerstehen.

Wir erreichen ein Gebäude, wo sie mich über die Treppen zerren und werfen mich zu Boden. Sie stoßen mir gegen den Kopf, beleidigen mich und drücken die Handschellen an den Handgelenken derart fest zu, bis die Zirkulation unterbrochen ist. Als ich abschätze, dass dies so Stunden weitergeht, setzen sie mich auf einen Stuhl und befreien mir das Gesicht. Ein maskierter Guardia Civil fängt an, mir Fragen zu stellen. Ich antworte nicht. Er macht weiter, ich antworte nicht. Angesichts meiner negativen Widerholungen befiehlt er, mich zu Boden zu werfen. Drei Guardias rammen mir ihr Knie gegen die Handschellen, die Schulter, gegen meinen ganzen Körper. So geht es etwa eine halbe Stunde weiter. Es kommt ein anderer Guardia und fragt mich, ob mir die Nase wehtut (sie muss schlimm aussehen). Ich antworte nicht, und er untersucht mein Gesicht. Ich höre sie, dass sie mich ins Krankenhaus fahren werden. Ein ganzer Haufen Guardias tritt ein und befiehlt mir, aufzustehen. Da ich mich weigere, biegen sie mir die Arme nach hinten und schleifen mich raus. Sie setzen mich in einen Wagen und mit hoher Geschwindigkeit und nach circa 15 Minuten kommen wir zu einem Ort, der mir sofort wie ein typisches Krankenhaus vorkommt.

Also fange ich an, meinen Namen und meine Militanz zu rufen. Sie zerren mich in einen Raum und drohen mir, mich zu zerquetschen, wenn ich weiterhin ihnen Probleme bereite. Sie machen Fotos von mir (ich sehe das durch das Hemd) wie von einer Trophäe und testen Karateschläge an mir.

Eine Frau kommt, und sie befehlen ihr, mich zu untersuchen, aber ohne mich zu entblößen, denn er ist gefährlich, er hat sich schon selbst verletzt.

Ich versuche zu rufen, um der Ärztin die Wahrheit zu sagen, aber sie halten mir den Mund zu. Ich rangle mit ihnen und löse mich und sage der Ärztin – die sehr nervös ist und der die Situation unangenehm ist – dass ich keine Gefahr für sie darstelle und dass sie mir alle Schläge zugefügt haben, als ich schon gefesselt war und mich nicht mehr bewegen konnte. Sehr nervös untersucht sie mich und bittet mich um meinen Namen oder Sozialversicherungsnummer. Sie werden sehr nervös und sagen ihr, dass sie ihr die Daten draußen geben.

Kurz darauf kommt die Ärztin zurück und sagt ihnen, dass unter diesem Namen (erfunden, klar) zwei Personen zu finden sind. Der mit der Befehlsgewalt wird sehr nervös und sagt zur Ärztin, dass sie ihnen irgendein Medikament geben soll und zum Rest der anwesenden Guardias, dass sie es lassen sollen, mit den Gerichtswachen im Krankenhaus zu reden. Dann bemerken sie, dass ich da bin. Sie zerren mich und drohen mir, mich zu zerquetschen, wenn ich beim Rausgehen noch mal Stress mache. Ich höre Stimmen und das Klicken von Kameras, und beim Versuch zu rufen, halten sie mir den Mund zu und setzen mich unter Schlägen ins Auto.

So haben sie mich in der Öffentlichkeit behandelt, und das kann perfekt bezeugt werden –wenn man das mindeste Interesse hätte, das Foltern zu denunzieren, klar– indem man die vielen Studenten der Bibliothek fragt, die Ärzte, das Krankenhauspersonal und die übrigen Patienten, die Journalisten, die dort mit ihren Kameras waren...

Der Rest der Tage? Besser diese Anklage nicht unendlich zu machen, auch wenn klar ist, dass die Politik die Guardias besser unter Kontrolle halten müsste, nun, die Behandlung wechselte von weniger physischer hin zu mehr psychologischer Folter (meine Vorführung vor die Audiencia Nazional rückte näher), so die ständige Drohung, die Militanten und Sympathisanten der PCE(r) zu verhaften, der Internationalen Roten Hilfe und die Angehörigen, außerdem sagten sie, deren Wohnungen zerstören zu gehen unter dem Vorwand, nach Waffen zu suchen.

Mehr als 20 Tage später, hier in der Isolation von Soto del Real, habe ich Narben an beiden Handgelenken von den Handschellen, beide Daumen sind taub, Hämatome und Narben an Armen und Beinen, starke Schmerzen in der Schulter, Rippen und die Nase gebrochen. In den fünf Tagen in ihren Händen gaben sie mir fortwährend große Mengen entzündungshemmende Mittel und die Schwellung in Gesicht und der Lippen ging zurück, die am Rest des Körpers aber nicht.

Dieses hat bei mir (sie gaben mir auch etwas im Wasser Aufgelöstes) eine sehr starke Verstopfung und Blasenschmerzen verursacht.

Anm.: Am 6. Juli 2007 oder exakt einen Monat nach seiner Verhaftung befindet sich Jorge García Vidal im Isolationstrakt des Gefängnisses Soto.